| Kooperationsprojekt der:
Arbeitsgemeinschaft
für Kinder- und Jugendgesundheitsförderung des Wetterau-Kreises: Gesundheitsamt
des Wetteraukreises, Arzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Fachstelle
Suchtprävention für den Wetteraukreis, Sozialer Dienst, Jugendgerichtshilfe,
LKA Wiesbaden, Jugendhilfe e.V. Nidda.
Seit acht
Jahren besteht die „Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und
Jugendgesundheitsförderung" des Wetteraukreises. Sie wurde1997 als Runder Tisch
auf Initiative des Gesundheitsamtes des Wetteraukreises gegründet.
Im Rahmen
dieser Arbeitsgemeinschaft wurde das Fritz-Projekt entwickelt, welches mittlerweile
seit vier Jahren in der Praxis im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts an
einerFachschule für Sozialpädagogik (Wingertschule
in Friedberg) durchgeführt wird. Während der Ausbildung wird den angehenden
Erzieher/Innen das nötige pädagogische, diagnostische und sozialpsychologische
Basiswissen einer präventiv ausgerichteten, sozialpädagogischen Arbeit
vermittelt. Das
generelle Anliegen ist die Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung. Im
Speziellen bezieht es sich auf die Übertragung des Gedankens der Prävention auf
den Sozialpädagogischen
Bereich, vor allem auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Hintergrund
für das Fritz-Projekt bilden Ergebnisse jüngerer Untersuchungen, die zeigen,
dass ca. 30% der Kindergartenkinder durch Risiken (z.B.
Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsverzögerungen etc.) belastet sind, die
ihre Lern- und Entwicklungsfähigkeit beeinträchtigen (vgl.Fried et.al. 2003). Eine
Untersuchung von Tietze et al. Aus dem Jahre 1998 zeigt, dass Kindergärten
präventive Wirkungen bei solchen Kindern hervorrufen, wenn die Einrichtung über
entsprechendeGrundorientierungen und
Hintergrundwissen verfügt, oder wie man es auch ausdrücken könnte: ein
präventives Bewusstsein entwickelt hat.
Eine
aktuellere Untersuchung (Fried 2002) zeigt jedoch, dass sich die Mehrheit der
Erzieher/Innen im Umgang mit Kindern, die Entwicklungsrisiken aufweisen,
hilflos fühlen. Gründe hierfür sind mangelnde diagnostische Kenntnisse sowie
mangelndes Wissen über Hilfsangebote. Insgesamt
wird deutlich, dass für das Präventionshandeln von Erzieher/innen die Förderung
eines präventiven Bewusstseins im Sinne der Sensibilisierung für
Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsstörungen sowie für deren Hintergründe
und diesbezügliche Therapie- und Hilfsangebote
von zentraler Bedeutung ist.
Gesundheitsverständnis des
Fritz-Projekts
Dem
Fritz-Projekt – und generell dem Präventionshandeln - liegt ein ganzheitliches
und dynamisches Gesundheitsverständnis zugrunde. Neben den Bedingungen der
Person selbst (Veranlagung, Erfahrung, Lebenstechniken etc.), stellt die
persönliche Gesundheit auch einen Ausdruck der Bedingungen der realen Umwelt
(Verkehr, Wohnen, etc.) und der sozialen Umwelt (Familie, Arbeit, etc.) dar.
Gesundheit
ist dann nicht mehr etwas Statisches, Schicksal Gegebenes, das man hat oder
nicht hat. Sondern Gesundheit ist dann beeinflussbar durch das eigene Verhalten
sowie durch die Verbesserung der Bedingungen in der natürlichen und sozialen
Umwelt.
Da
Gesundheit nicht nur ein medizinisches Phänomen ist, sondern auch mit, den
psychischen, den sozialen und den Umweltbedingungen zu tun hat, wurde im Rahmen
des Fritz-Projekts ein ganzheitlich orientierter Präventionsansatz gewählt.
Aus diesem
Grund ist die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und
Jugendgesundheitsförderung" interdisziplinär zusammengesetzt. Sie besteht
sowohl aus Vertretern von Beratungsstellen als auch aus Vertretern betreffender
Fachbereiche des Kreishauses, der Fachstelle Suchtprävention, des
Gesundheitsamtes, der Berufsfachschulen sowie der niedergelassenen Kinderärzte
und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten.
Der Fall „Fritz"
Um das
pädagogische Basiswissen den angehenden Erzieher/Innen am „konkreten Fall" vermitteln
zu können, wurde die fiktive Fallgeschichte des Problemkindes „Fritz"
entwickelt.
Fritz ist
also kein realer Mensch, sondern ein fiktiver Junge, dessen Entwicklung
problematisch verläuft. Die Probleme schaukeln sich auf, bis es letztlich zur
Katastrophe kommt. Als 19jähriger Jugendlicher verletzt Fritz seinen Chef und
Ausbilder lebensgefährlich, was eine Verurteilung und eine anschließende
Jugendstrafe zur Folge hat.
Die Fallgeschichte
besteht zum einen aus den Befunden der kinderärztlichen Untersuchungen im
Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen (U1 - U10). Zum anderen besteht das Fallbeispiel
aus polizeilichen Protokollen und Zeugenaussagen anlässlich der Straffälligkeit
im 19. Lebensjahr. Es wird also skizzenhaft sowohl die gesundheitliche als auch
die psychosoziale Entwicklung von Fritz im Kindes- und Jugendalter dargestellt.
Das
Fallbeispiel ,,Fritz" dient als „didaktisches Vehikel", um in der
Ausbildung der Erzieher/innen Ansatzpunkte für präventive Strategien im Umgang
mit Kindern und Jugendlichen zu entwickeln. Außerdem dient es dazu, die
Aufgaben und Arbeitsweisen der einzelnen Institutionen, die sozial- oder
heilpädagogische Angebote zur Verfügung stellen, im Unterricht kennen zu lernen.
Der Fall „Fritz" bildet gewissermaßen den „roten Faden" des
Fritz-Projektes. Er soll dazu dienen, im Rahmen der Ausbildung der angehenden
Erzieher/Innen deutlich zu machen, welche Hilfsangebote seitens der
Institutionen für die Prävention von Verhaltensauffälligkeiten und
Entwicklungsstörungen bestehen und wie sie im Rahmen der Tätigkeit der
Erzieher/Innen eingebunden werden können.
Fritz-Projekt im Rahmen des
Wahlpflichtunterrichts der Wingertschule
Der
Wahlpflichtunterricht zum Fritz-Projekt wird in der ersten Hälfte des zweiten. Ausbildungsschuljahres
durchgeführt. Zu Beginn des Projektunterrichts findet eine intensive Auseinandersetzung
mit er Biografie von Fritz und seiner Fallgeschichte statt. Im Rahmen dieser
Auseinandersetzung erfolgt eine Vermittlung des theoretischen Hintergrundes und
der diagnostischen Aspekte, aber auch das Aufzeigen von Hilfsangeboten.
Der zweite
Teil des Wahlpflichtunterrichts wird in Form vonKleingruppenarbeit organisiert. Ziel ist
dabei sich mit den betroffenen Institutionen auseinanderzusetzen und sowohl
deren Leistungsangebot als auch die dortigen Kontaktpartner kennen zu lernen.
In einer zweiten Stufe werden gemeinsam mit den Vertretern der Institutionen Überlegungen
angestellt, in welcher Weise eine Kooperation im Hinblick auf den Fall
„Fritz" stattfinden könnte und welche Hilfsangebote hierbei genutzt werden
können.
Zweitägige
Präsentationsveranstaltung
In der
zweitägigen Präsentationsveranstaltung im Friedberger Kreishaus, die zum
Abschluss der
Erzieher/innen-Ausbildung stattfindet, wird die Kleingruppenarbeit präsentiert.
In Form einer Podiumsveranstaltung werden Gruppenreferate und
Gruppenrollenspiele durchgeführt. Dabei ist genügend Raum gegeben für
ausführliche Diskussionen und Feedback an die Akteure. Ziel ist es, die
Ergebnisse des Fritz-Projektes, die in den Kleingruppen erarbeitetet wurden, dem
kompletten Auditorium, bestehend aus Mitgliedern der „Arbeitsgemeinschaft für
Kinder- und Jugendgesundheitsförderung" und weiteren sozialpädagogischen
Experten sowie Vertretern der Presse, zugänglich zu machen.
Ein
weiteres wesentliches Element der Seminarveranstaltung bildendie (fiktiven) Fallkonferenzen, die am
zweiten Seminartag in Form von Rollenspielen durchgeführt Dabei werden alle
Rollen (Fritz, seine Eltern und Erzieher etc.) von Teilnehmern der
Kleingruppen, also den angehenden Erzieher/Innen, übernommen.
Fallkonferenzen
dienen im Rahmen der pädagogischen und psychosozialen Arbeit dazu, alle
Sozialpartner, die bzgl. eines auffälligen Kindes oder Jugendlichen aktiv
werden, „an einen Tisch" zu bringen. Es wird ein „Bild" von der
Problematik des Kindes bzw. des Jugendlichen erarbeitet. Ziel ist dabei,
adäquate „Lösungen" gemeinsam und einvernehmlich zu erarbeiten und gezielt
Maßnahmen einzuleiten und anhand eines „Hilfeplans" zu dokumentieren und
zu kontrollieren. Im Rahmen
des Fritz-Projekts werden Fallkonferenzen als zentrale Intervention seitens der
Erzieher/innen angesehen, da sie in hohem Maße geeignet sind,
Präventionshandeln und Vernetzung zu befördern.
Im Rahmen
des Wahlpflichtunterrichts im Bereich der Fachschulausbildung macht das
Fritz-Projekt die angehenden Erzieher/Innen vertraut mit heilpädagogischem
Denken und mit heilpädagogischem Hintergrund, insbesondere mit den
Störungsbildern bzw. dem diagnostischen Hintergrund. Es leistet einen
wesentlichen Beitrag zum Aufbau eines präventiven Bewusstseins schon in der
Ausbildung und schafft Strukturierung im Hinblick auf einen systematischen
lösungsorientierten Umgang bzgl. betreuter Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten
und Entwicklungsstörungen.
Zudem macht
es das Angebot der in diesem Bereich tätigen Institutionen transparent. Auch
wirkt es vorbereitend und förderlich im Hinblick auf den Aufbau zukünftiger
Kooperationen. |