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Empfehlungen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesstellen
Vorwort
Landesstellen gegen die Suchtgefahren gibt es in fast allen Bundesländern. Von ihrer, Tradition, ihrer Struktur, ihren Finanzierungsgrundlagen und ihrer Ressourcen sind sie jedoch sehr unterschiedlich. Dort wo es in den letzten Jahren gelungen ist, die Landesstellen als effektive Dienstleistungsagenturen zu etablieren, sind sie aus der suchtpolitischen Arbeit auf Landesebene nicht mehr wegzudenken. Ihre Position darf als gesichert gelten.
Dabei hat sich gezeigt, daß diese Position dann eingenommen und gehalten werden kann, wenn sich die Landesstellen zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben hauptamtlich geführter Geschäftsstellen bedienen. Die Leistungsfähigkeit einer Landesstelle ist ganz stark von ihrer Ausstattung abhängig.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesstellen (BAGLS) legt mit diesem Papier erstmals ein übergreifendes Porträt dieser Einrichtungen vor. Es soll nicht in die Satzungen der Landesstellen eingreifen, sondern dazu dienen, die Standortbestimmung der eigenen Landesstelle zu erleichtern.
I. Aufgaben, Profile und Ziele der Landesstellen
Die in Zusammenhang mit der Industrialisierung entstandene Alkoholproblema- tik begründete die Bildung von Abstinenzverbänden. Dadurch existierte bereits im 19. Jahrhundert eine organisierte Suchthilfestruktur in Deutschland. In dieser Entwicklung haben sowohl die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) als auch die Landesstellen gegen die Suchtgefahren ihre historischen Wurzeln.
Die föderale Entwicklung der Bundesrepublik in den Nachkriegsjahren förderte die Idee eines Zusammenschlusses der in der Suchthilfe tätigen Verbände auf Länderebene. Neben der 1948 neugebildeten Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren entstanden schrittweise in den Bundesländern „Landesstellen gegen die Suchtgefahren“.
Aufgaben
Landesstellen gegen die Suchtgefahren sind vorrangig Zusammenschlüsse der in der Suchthilfe und -prävention tätigen Verbände und Institutionen. Als Fachstellen sehen die Landesstellen ihre Aufgabe hier im wesentlichen als Impulsgeber in den verschiedenen Arbeitsfeldern der Suchthilfe und -prävention sowie in der Weiterentwicklung der fachlichen Qualität in diesen Bereichen.
Sie sind gefordert, die Entwicklungen in den Planungs- und Versorgungsregionen der Bundesländer innovativ mitzugestalten.
Profile
Die Profile der Landesstellen ergeben sich aus den jeweiligen sozialpolitischen Rahmenbedingungen und Versorgungssystemen der Bundesländer. Sowohl Tradition als auch wirtschaftlich orientierter Wettbewerb charakterisieren die Entwicklungen der Suchthilfe und -prävention in den Ländern. Es ist festzuhalten, daß die Wertegemeinschaften der Freien Wohlfahrtspflege einen großen Teil der Suchthilfe und -prävention repräsentieren und die Landesstellen als deren Mitglieder wesentlich tragen.
Ziele
Das Ziel der Landesstellen ist die Förderung und Koordination präventiver, therapeutischer und rehabilitativer Maßnahmen im Suchtbereich. Dabei streben sie einen Interessenausgleich und eine Interessenvermittlung zwischen sozialpolitischen Vorgaben, den Erwartungen der Kosten- und Leistungsträger und den Leistungserbringern (u.a. Mitgliedsorganisationen) an.en sind Dienstleister
II. Landesstellen sind Dienstleister
Die Serviceleistungen der Landesstellen zielen auf die Weiterentwicklung der Qualität, die Minimierung von Reibungsverlusten und die Vernetzung starker und leistungsfähiger Partner in der Suchthilfe und -prävention eines Landes.
Partner sind die Wohlfahrtsverbände, die Kosten- und Leistungsträger, die Landes- und Kommunalverwaltungen, aber auch Hochschulen, öffentlich-rechtliche Einrichtungen und zunehmend private Anbieter.
Leistungen
Wesentliche Aufgaben der Landesstellen sind:
- Fachliche Beratung und Unterstützung der Partner
- Information und Sensibilisierung der Öffentlichkeit zum Themenkomplex Sucht
- Aus-, Fort- und Weiterbildung
- Qualitätsentwicklung
- Erschließung und Verteilung von Fördermitteln
- Mitwirkung in länderübergreifenden Kooperationen und Projekten.
Die Landesstellen stellen ihre Leistungen den in der Suchthilfe- und Suchtprävention tätigen Institutionen und Gremien zur Verfügung.
Strukturen
Zur Erfüllung ihrer Aufgaben bilden die Landesstellen Strukturen, die sowohl ein kontinuierliches als auch ein kurzfristiges, flexibles Handeln ermöglichen.
Hauptamtlich besetzte Geschäftstellen spielen dabei eine zentrale Rolle. Als kompetente Fachstellen mit effektiven Handlungsstrukturen, sind Landesstellen gleichermaßen für die Mitgliedsorganisationen, die politischen Planungsverantwortlichen sowie die Kosten- und die Leistungsträger attraktiv.
III. Spektrum der Dienstleistungen einer Landesstelle
1. Fachbezogene Dienstleistungen
- Beratung und Unterstützung der Mitglieder (Träger, Einrichtungen, Vereine, Verbände, Anbieter)
- Konzeptberatung, Gutachten und Stellungnahmen
- Vermittlung von Fachreferenten und Gutachtern
- Organisation/Begleitung von koordinierenden Gremien im Innen- und
Außenverhältnis
- Vermittlung von Fachlichkeit
- Vermittlung von Informationen
- Erschließung und Vergabe von Fördermitteln (z.B. Landesmittel, BfA, LVA, Krankenkassen-Förderung, Sponsorenmittel)
2. Informations- und Öffentlichkeitsarbeit
- Anregung, Veranlassung, Beschaffung von Infomaterial
- Bereithaltung, Sichtung, Auswertung und Auswahl von Fachpublikationen
- Betrieb eines Info-Dienstes, Rundbriefservice o.ä.
- Veranstaltung von Pressekonferenzen, -seminaren, Podiumsdiskussionen
- Durchführen von landesbezogenen trägerübergreifenden Veranstaltungen wie
- Kampagnen/Aktionen - Wettbewerbe/Ausschreibungen - Einzelveranstaltungen
- Medienarbeit
3. Fachbezogene Aus-, Fort- und Weiterbildung
- Initiierung, Mitwirkung oder Durchführung von Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, z.B.
- Workshops/Seminare/Fachtagungen - Konferenzen/Symposien - Kurse/Lehrgänge
- für verschiedene Zielgruppen, z.B.
- Fachkräfte - Eltern - Erzieher/innen - Lehrer/innen - Personalvertretungen - Multiplikatoren - Gruppenleiter/innen für Selbsthilfegruppen - Suchtkrankenhelfer/innen
4. Qualitätsentwicklung
- Beratung, Initiierung, Entwicklung und Fortschreibung von Instrumenten zur Qualitätssicherung, z.B.
- Konzeptentwicklung und -fortschreibung - Leistungsbeschreibung - Qualitätsmanagementberatung
- Dokumentation und Statistik, z.B.
- Sammlung und Fortschreibung aufgabenbezogener Daten - Teilnahme an Verbundsystemen - regionale Erfassungen - Erstellen von Einzelerfassungen und Verzeichnissen - Auswertung und/oder Einbeziehung vorhandener Statistiken
5. Mitwirkung in länderübergreifenden Kooperationen und Projekten
- Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesstellen (BAGLs)
- Veranstaltungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)
- Maßnahmen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
- Regionale Kooperationen
6. Interne Geschäftsorganisation
z.B.
- Arbeitspläne und Stellenbeschreibungen
- Haushaltsplanung und Rechnungslegung
- Satzungs- und strukturbezogene Aufgaben
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